Bewegung & Sport

Sport und Bewegung bei Krebs – welche Wirkungen sind möglich?

Regelmäßige, angepasste Bewegung kann während und nach einer Krebsbehandlung einige Symptome spürbar verbessern. In vielen systematischen Reviews und Meta-Analysen zeigt sich am zuverlässigsten ein Nutzen für:

Fatigue (Erschöpfung)

  • Ein systematischer Review der Cochrane-Kollaboration, ein Netzwerk unabhängiger Wissenschaftler, findet 2012 durch Auswertung von 56 Studien mit 4068 Brustkrebs-Patientinnen:
    Bewegung hat einen kleinen Effekt der Standardisierten Mittleren Differenz SMD = − 0,27 zur Verbesserung der krebsbedingten Fatigue (Cramp 2012)

In einer neueren Meta-Analyse von 31 randomisierten klinischen Studien mit 2964 Brustkrebs-Patientinnen kommen Reverte-Pagoda (2022) auf stärkere Wirkungen bei krebsbedingter Fatigue:

  • Unter Trainings-Anleitung zeigt sich eine mittlere bis starke Fatigue-Reduktion von SMD = −0,74 (Irrtumswahrscheinlichkeit p < 0,001 %).
  • Bei Bewegungs-Training ohne Anleitung war die Fatigue-Reduktion etwas moderater: SMD = −0,46, (Irrtumswahrscheinlichkeit p < 0,01 %).
  • Interessanterweise ändert sich dieses Verhältnis bei längerem Training: Bei mehr als 12 Wochen Training ohne Anleitung steigert sich die Fatigue-Reduktion auf SMD = −0,48, während die Wirkung bei Training mit Anleitung auf SMD = −0,38 abnimmt.

Die Patientinnen bemerkten also kurzzeitig unter Anleitung einen schnelleren und stärkeren Effekt für die Fatigue-Reduktion, bei einer Trainingsdauer von mehr als 12 Wochen wirkte jedoch selbstbestimmtes Training stärker und nachhaltiger.

Angst & Depression

  • Eine Meta-Review von Meta-Analysen (Tavares et al. 2024) berichtet kleine Effekte:
    • Sportliches Bewegungstraining bewirkt eine Angst-Reduktion von SMD = 0,42 (Irrtumswahrscheinlichkeit p kleiner 2,7 %).
    • Eine Gesamtauswertung aller Bewegungs-Übungen ergab eine Reduktion depressiver Symptome um SMD = 0,38. Dabei zeigten Ausdauersportarten allein einen stärkeren Effekt bei Depressionen mit einem SMD =0,54 (Irrtumswahrscheinlichkeit p = 0,5 %) während Krafttraining keine Wirkung zeigte.
  • Die Anwendung von „Mind-Body-Übungen“ riefen im Vergleich zu sportlichen Bewegungstraining wesentlich stärkere Wirkungen hervor (Soong et al. 2025):

    • Eine starke Reduktion von Depressionen mit einem Effekt von
      SMD = −0,89, Irrtumswahrscheinlichkeit p = 2 %.
    • und eine Reduktion von Ängsten mit einer moderaten bis starken Wirkung von SMD = −0,77, Irrtumswahrscheinlichkeit p < 1 %.

Zu den „Mind-Body Übungen “ zählen: Yoga, Tai Chi, Qigong und Pilates, die unter der Verlinkung ausführlich beschrieben werden.

Zusammenfassend zeigt sich, dass Patientinnen und Patienten mit Ängsten und Depressionen am besten durch "Mind-Body-Training" profitieren. Alternativ kommen auch Ausdauersportarten mit etwas schwächeren Effekten in Frage, jedoch kein Krafttraining.

Lebensqualität

 

  • Eine Meta-Analyse von Soong et al. 2025 auf Basis von 27 randomisierten klinischen Studien mit 1929 Krebspatienten zeigte durch Bewegungstraining eine moderate Wirkung in der Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von SMD = + 0,63 (Irrtumswahrscheinlichkeit p kleiner als 0,1 %) gemittelt über alle Altersgruppen.
  • In dieser Meta-Analyse zeigte sich zugleich ein großer Unterschied zwischen den Altersgruppen:
    • Die unter 70-jährigen Patienten profitierten mit einem starken Effekt vom Bewegungstraining, SMD = + 0,91
    • Die über 70-jährigen Patienten konnten nur mit einem kleinen Effekt für ihre Lebensqualität profitieren, SMD = + 0,13

Was ist leicht umsetzbar?

Oft reichen kleine, regelmäßige Einheiten von z.B. 10–20 Minuten – regelmäßiges Üben ist wichtiger als Perfektion:

  • Gehen/Spazieren, zügiges Gehen, Nordic Walking,
  • Radfahren (auch Ergometer),
  • leichtes Schwimmen (wenn keine Infektions-/Wundrisiken dagegen sprechen)
  • Beweglichkeit & Körperwahrnehmung: Yoga, Tai Chi, Qigong, Dehnen, Atemübungen (je nach Befinden) 

Wann sollte man vorsichtig sein oder pausieren?

Folgende Symptome bedürfen einer Abklärung mit Ärzten und Therapeuten

  • Fieber und Infekte mit starke Blutbildveränderungen oder ausgeprägter Schwäche oder Schwindel
  • Knochenmetastasen mit Frakturrisiko, frische OP-Wunden oder starke Schmerzen
  • Neuropathien mit Sturzrisiko oder ausgeprägte Lymphödeme

Eher überlastend und ungeeignet (v. a. ohne Anleitung) können sein:

  • Maximalkrafttraining und sehr intensives Training unter laufender Therapie (Verletzungsrisiko)
  • Kontakt-/Sturzsportarten bei Blutungs- oder Frakturrisiko.

Empfehlenswerte Zusammenfassungen & Kontraindikationen:

Auf den hier verlinkten Websites finden Sie sehr ausführliche Informationen zum Thema "Bewegung und Sport für Krebspatienten":

Kontraindikationen

Bei allen drei genannten Portalen gibt es ausführliche Hinweise zu Ausschlusskriterien für Bewegung und Sport während einer Krebserkrankung und ihrer Behandlung, eine sehr gute Übersicht findet sich auf der Seite "bewegung-bei-krebs.org" unter: Kontraindikationen und Risiken.